„Climate Performance ist oft gleich Business Performance.“
5 Fragen an ...
Tim Schumacher, Serienunternehmer, Angel-Investor und Mitgründer des World Fund, Europas größtem Climate-Tech-Fonds.
Interview Sabine Büttner

Welche Trends siehst du vor allem bei Green Start-ups?
Zentrales Thema aktuell ist vor allem die Dekarbonisierung – in der Industrie und in den Bereichen Bauen, Wohnen und Verkehr, vor allem in Bezug auf Elektrifizierung, Batteriespeicher und erneuerbare Energien mit der dazugehörigen nötigen Steuerungs- und Software-Intelligenz. Außerdem wichtig: regenerative Landwirtschaft und Nahrungsmittelinnovationen, insbesondere alternative Proteine, und Green Computing, um den wachsenden Energiebedarf von KI nachhaltig zu decken. Zudem gewinnen Kreislaufwirtschaft-Modelle wie das Batterie-Recycling massiv an Bedeutung für die europäische Resilienz und Energie- und Rohstoffsicherheit.
Dabei verschiebt sich gerade in den drei Sektoren mit den höchsten Emissionen – Energie, Bauwesen, Landwirtschaft – der Fokus von reinen Software-Lösungen hin zu „Climate Deep Tech“.
Was sind die wichtigsten Treiber für eine Nachhaltigkeitsorientierung von Start-ups?
Neben dem intrinsischen Ziel des Klimaschutzes und den damit verbundenen Net-Zero-Fahrplänen von Staaten, Städten und Unternehmen, sind die stärksten Treiber strengere EU-Regulierungen (SFDR) und die Erkenntnis, dass häufig Climate Performance gleich Business Performance ist. Unternehmen ohne Dekarbonisierungs-Technologien verlieren rapide an Wettbewerbsfähigkeit und Zugang zu günstigem Kapital.Das Thema ist daher auch für Start-ups, die nach Investoren suchen, entscheidend.
Apropos Kapital: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit generell für die Finanzierung von Gründungen?
Nachhaltigkeit ist sowohl ein zentraler Risikofaktor als auch Werttreiber: Investoren bewerten Start-ups zunehmend danach, wie zukunftssicher ihr Geschäftsmodell in einer dekarbonisierten Wirtschaft ist. Start-ups müssen heute ein Climate Performance Potential (CPP) von mindestens 100 Megatonnen CO2e-Einsparung pro Jahr nachweisen, um für Top-Investoren relevant zu sein. Aber noch wichtiger ist, insbesondere beim aktuellen politischen Gegenwind, der ökonomische Nutzen. Rein auf Nachhaltigkeit fußende Geschäftsmodelle ohne wirtschaftlichen Kunden-USP werden nicht mehr finanziert. Stattdessen gilt oft: „Wir investieren nur in Klimatechnologie, die man auch an Klimaleugner verkaufen kann.”
Wie und wonach werden die Start-ups bewertet?
Die Bewertung erfolgt in der Regel über wissenschaftsbasierte Methoden, die über bloße Imagepflege hinausgehen, wie dem CPP und den ESG-Kriterien. Aber um es erneut zu wiederholen: noch wichtiger ist der ökonomische Nutzen.
Eine fundierte Treibhausgas-Bilanz ist allerdings essenziell, da Fonds (wie auch der World Fund) meist nur in Unternehmen investieren, deren Klimapotenziale wissenschaftlich belegbar ist. Start-ups müssen bereits in frühen Phasen nachweisen können, wie viel CO2e sie im Vergleich zum Status Quo einsparen können.
Wobei brauchen „grüne“ Start-ups am meisten Unterstützung?
Besonders Deep-Tech-Gründungen benötigen Unterstützung bei der Skalierung von Hardware-Prototypen zur industriellen Fertigung sowie beim Zugang zu langfristigem Kapital und regulatorischem Expertenwissen. Der Übergang „vom Labor zum Markt“ erfordert oft ein spezialisiertes Netzwerk aus Industrieexperten und Wissenschaftlern.
