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Green Start-ups: Investoren setzen auf messbare Wirkung

 

Text: Sabine Büttner

Alina Cartus, Entendix beim pitchen auf dem C3

Alina Cartus, Entendix ©Dustin Preick

Wird weiterhin in grüne Technologien und Unternehmen investiert? Und worauf achten Investoren, wenn sie es tun? Nachdem wir in den ersten beiden Artikeln die Bedeutung von Green Start-ups sowie Trends und Beispiele aus dem Klimaschutz beleuchtet haben, richten wir den Blick nun auf die Kapitalgeber für nachhaltige Start-ups. 

 

Investment-Trend in GreenTech hält an

Zu Beginn direkt eine gute Nachricht: 2025 erreichten die weltweiten Investitionen in grüne Technologien laut BloombergNEF einen Rekordwert von 2,3 Billionen US-Dollar – ein Plus von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders dynamisch entwickelten sich die Bereiche Elektrifizierung des Verkehrs, erneuerbare Energien und Modernisierung der Stromnetze. Der langjährige Aufwärtstrend setzt sich damit fort. Investoren scheinen darauf zu vertrauen, dass der Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft möglich und profitabel ist. Zugleich verdeutlicht der Trend die Dringlichkeit, die Wirtschaft zu dekarbonisieren, um die Folgen der Erderwärmung zu begrenzen.

Der Großteil der Investitionen fließt in die Industrie und den breiten Ausbau der Energiewende. Trotzdem wird auch die Finanzierung neuer Ideen und Lösungen wieder relevanter: Die Investitionen in Start-ups im Bereich Klimaschutz-Technologien legten 2025 leicht zu – nach den Spitzenjahren 2021/22 und einem zwischenzeitlichen Rückgang. Hinzugewonnen haben vor allem Start-ups in der Wachstumsphase, während Unternehmen in der frühen Gründungsphase nicht vom Zuwachs profitieren. Statt neue Marktteilnehmer im selben Segment zu finanzieren, setzen Kapitalgeber vermehrt auf etabliertere Unternehmen, in der Hoffnung, dass diese sich als Marktführer ihrer Kategorie durchsetzen werden (SightlineClimate 2026).

Die Nachfrage nach „grünen“ Innovationen birgt für Investoren große Chancen, aber auch Risiken. Neue Technologien erfordern oft hohen Kapitaleinsatz, während sich Marktentwicklungen nur schwer vorhersagen lassen. Gesetzliche Änderungen können die Wirtschaftlichkeit ebenso beeinflussen wie das rasche Tempo technischer Fortschritte, die vielversprechende Lösungen von heute schon morgen überholen. Investoren müssen Chancen und Risiken von Investitionen daher sorgfältig abwägen – nicht zuletzt durch die systematische Bewertung der Nachhaltigkeitsleistung von Start-ups.

 

Messbare Wirkung gewinnt an Bedeutung 

Die beschriebenen Investment-Trends sind ein Beleg dafür, dass Nachhaltigkeit trotz augenscheinlicher politischer Depriorisierung und temporär sinkender öffentlicher Aufmerksamkeit nicht an Bedeutung verliert. Alexander Görbing vom Venture Capital Magazin spricht mit Blick auf den Risikokapitalmarkt von einer „Normalisierung“ und zitiert Xavier Sarras, Gründungspartner des Impact-Investors 4P Capital: „Wir sehen aktuell keinen Abschied von Impact, sondern den Übergang von Rhetorik zu Rechenfähigkeit“ (Venture Capital Magazin 2026). Mit anderen Worten: Nachhaltigkeit bleibt ein attraktives Investmentfeld; die Wirkung muss allerdings belegbar sein, nicht bloß behauptet.

Die Bewertung ökologischer, sozialer und ethischer Kriterien (ESG) ist damit zur Grundvoraussetzung für grüne Investitionen geworden – und zunehmend auch darüber hinaus. Investoren nutzen ESG-Daten, um Unternehmensrisiken einzuordnen, und prüfen Wirkungsindikatoren, um Wachstumspotenziale zu bewerten. Auch beim Exit, also beim Unternehmensverkauf, spielen ESG-Kriterien heute eine zentrale Rolle: Sie fließen in Bewertungen ebenso selbstverständlich ein wie Finanzkennzahlen oder rechtliche Risiken (RSM Ebner Stolz 2024). Damit wirkt sich die Nachhaltigkeitsperformance unmittelbar auf Investitionsentscheidungen und Unternehmenswerte aus.

Natürlich genügt die Nachhaltigkeitswirkung allein nicht als Investitionskriterium. Entscheidend bleibt – neben einem starken Gründungsteams und dem Vertrauen in dessen Umsetzungsfähigkeit – die wirtschaftliche Belastbarkeit des Geschäftsmodells. Im Idealfall ergibt sich die Profitabilität direkt aus der Nachhaltigkeitswirkung, etwa durch Effizienzgewinne, Kostensenkungen oder die aktive Reduktion von Compliance-Risiken. Wirkungsorientierte Ansätze ohne klaren ökonomischen Mehrwert stoßen dagegen im Risikokapitalmarkt zunehmend auf verschlossene Türen.

Vorangetrieben wird der Trend zu mehr Transparenz und messbarer Wirkung aber nicht nur durch Investorenforderungen, sondern auch durch gesetzliche Vorgaben. Insbesondere die Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR) der EU verändert die Investitionslandschaft, indem sie Risikokapitalgeber und Finanzinstitute verpflichtet, die Nachhaltigkeitsrisiken und -auswirkungen ihrer Investitionen zu bewerten und offenzulegen. 

Zusätzlichen Druck erzeugen Aufsichtsbehörden wie die BaFin, die von Banken mehr Transparenz verlangt, um Klimarisiken besser einschätzen zu können (BaFin 2025). Denn die Folgen der Klimakrise sind längst realwirtschaftlich spürbar: Naturkatastrophen verursachten 2024 weltweit Schäden von rund 320 Milliarden US-Dollar, wovon weniger als die Hälfte versichert war (MunichRe 2025).

 

Schritt für Schritt zu belastbaren Daten

Doch was bedeutet der immer stärkere Fokus auf messbare Nachhaltigkeit für Green Start-ups? Wie viel Zeit und Geld lohnt es sich, in den Nachweis der eigenen Wirkung zu investieren? Laut GreenTech Monitor 2025 messen 17 Prozent aller befragten Start-ups ihren ökologischen Impact über entsprechende KPIs (Key Performance Indicators), vor allem jene, für die Nachhaltigkeit Kern des Geschäftsmodells ist.

Gerade in der frühen Gründungsphase sind finanzielle und personelle Ressourcen aber knapp. Der Aufwand für Impact-Messungen steht daher oft im Spannungsfeld zwischen idealer Datenerhebung und der Notwendigkeit, das Geschäftsmodell marktreif zu machen. Hier ist Pragmatismus gefragt: Der Umfang von Wirkungsnachweisen sollte zur Phase passen und mit dem Unternehmen wachsen. 

Startphase: Glaubwürdige Wirkungslogik
Am Anfang zählt vor allem eine glaubwürdige Wirkungslogik. Impact-Investoren achten auf die Werte und Kompetenzen des Gründungsteams, die Zielsetzung und ein gutes Verständnis der Wirkungszusammenhänge. Ergänzend können erste Kennzahlen und quantifizierbare Impact-Belege sinnvoll sein. Bei Klimaschutz-Start-ups liegt der Fokus etwa auf dem erwartbaren Emissionsminderungspotenzial, also der Menge an Treibhausgasen, die durch die neue Lösung im Vergleich zum herkömmlichen Produkt tatsächlich eingespart werden können (Borderstep 2026). Der Impact-Investor „World Fund“ empfiehlt frühphasigen Start-ups, sich bei der Wirkungsmessung und -prognose eher auf die zugrunde liegende Technologie als auf das Start-up selbst zu konzentrieren, um die strategische Dimension der Wirkung – unabhängig von der Umsatzprognose – zu verstehen (World Fund 2025).

Wachstumsphase: ESG-Kennzahlen etablieren
Mit zunehmender Reife des Unternehmens gewinnen „klassische“ ESG-Kennzahlen – etwa Treibhausgasbilanzen, Wasserverbräuche oder Abfallaufkommen – und die Nachhaltigkeitsberichterstattung an Bedeutung. Ein phasenspezifischer Ansatz ist hier sinnvoll: Erhoben und berichtet werden sollte, was für das jeweilige Entwicklungsstadium relevant ist.

Strategische Integration von Anfang an
Auch wenn sie zu Beginn noch nicht so wichtig sind: Grundsätzlich ist es sinnvoll, Wirkungsmessung und ESG-Management von Beginn an strategisch mitzudenken. Gründer*innen sollten frühzeitig klare Ziele – etwa CO₂-Reduktion oder Ressourceneffizienz – definieren. Kennzahlen, die für Investor*innen später entscheidend sind, sollten strukturiert erhoben und im Laufe der Entwicklung schrittweise ausgebaut werden. So lassen sich nicht nur Investorenrunden vorbereiten, sondern auch Fortschritte messen und gegenüber Kunden und potenziellen Mitarbeiter*innen glaubwürdig kommunizieren.

 

Literaturverzeichnis

BaFin (2025): Strategische Ziele 2026-2029, https://www.bafin.de/SharedDocs/Downloads/DE/Anlage/dl_Ziele_2026_2029.html (letzter Aufruf: 25.08.2026).

BloombergNEF (2026): BloombergNEF Finds Global Energy Transition Investment Reached Record $2.3 Trillion in 2025, Up 8% from 2024, https://about.bnef.com/insights/clean-energy/bloombergnef-finds-global-energy-transition-investment-reached-record-2-3-trillion-in-2025-up-8-from-2024/ (letzter Aufruf: 25.08.2026).

Borderstep Institut (2026): Green Startup Report 2026, https://doi.org/10.5281/zenodo.18413115 (letzter Aufruf: 25.08.2026).

MunichRe (2025): Der Klimawandel zeigt Krallen: Die Welt wird heißer, starke Wirbelstürme, Schwergewitter und Überschwemmungen sind die Folge,  https://www.munichre.com/de/unternehmen/media-relations/medieninformationen-und-unternehmensnachrichten/medieninformationen/2025/naturkatastrophen-2024.html (letzter Aufruf: 25.08.2026).

RSM Ebner-Stolz (2024): ESG Due Diligence bei Unternehmenstransaktionen, https://www.ebnerstolz.de/de/unser-angebot/leistungen/consulting/transaction-advisory-services/esg-due-diligence-bei-unternehmenstransaktionen-71984.html (letzter Aufruf: 25.08.2026).

Sightline Climate (2026): $40.5bn and 8% uptick as power demand drives ’25 investment, https://www.sightlineclimate.com/research/40-5bn-and-8-uptick-as-power-demand-drives-25-investment (letzter Aufruf: 25.08.2026).

Startup Verband (2025): GreenTech Monitor 2025, https://startupverband.de/fileadmin/startupverband/mediaarchiv/research/green_tech_monitor/GreenTech_Monitor_2025_.pdf (letzter Aufruf: 25.08.2026).

Startup Verband (2026): GreenTech Monitor 2026, https://startupverband.de/fileadmin/startupverband/media/research/03_green_tech_monitor/studien/GreenTech_Monitor_2026.pdf (letzter Aufruf: 25.08.2026).

Qubit (2025): ESG & Impact Metrics for Startup Investments, https://qubit.capital/blog/esg-startup-investments (letzter Aufruf: 15.04.2026).

Quibit (2026): How Cleantech Startup Investment Is Reshaping Global Markets, https://qubit.capital/blog/cleantech-startups-green-technology-investments (letzter Aufruf: 25.08.2026).

VentureCapital Magazin (01/2026): https://www.vc-magazin.de/blog/2026/02/12/venturecapital-magazin-01-2026/ (letzter Aufruf: 25.08.2026).

World Fund (2025): Measuring the climate performance potential of startups, https://www.worldfund.vc/knowledge/measuring-the-climate-performance-potential-of-startups (letzter Aufruf: 25.08.2026).